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Landesverband Hannoverscher Imker e.V.

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Der Landesverband

Einzelberichte von der Tagung der Gesundheitsobleute

Sterben Bienen an falscher Ernährung? – Die Erforschung des Geschmackssinns der Bienen

Fabian Ruedenauer
Lehrstuhl für Tierökologie und Tropenbiologie, Universität Würzburg, Würzburg
Lehrstuhl für Interaktionen zwischen Pflanze und Insekt, Technische Universität München, Freising-Weihenstephan

fabian.ruedenauer@uni-wuerzburg.de

Die Aufnahme von zu vielen oder zu wenigen Nährstoffen kann Bienen negative beeinträchtigen. Schlechte Ernährung kann durch fehlende Vielfalt an Pflanzen (z.B. durch Monokulturen oder Klimawandel) verursacht werden. Diese Fehlernährung kann wiederum das Immunsystem der Tiere schwächen und so zu stärkeren Auswirkungen von Krankheiten, Parasiten oder Pestiziden führen. Für Bienen ist Pollen die Hauptquelle für Nährstoffe, abgesehen von Kohlenhydraten, die hauptsächlich über Nektar konsumiert werden. Da Pollen von unterschiedlichen Pflanzenarten sich stark in seiner Nährstoffzusammensetzung unterscheiden kann, würden Bienen davon profitieren den Nährgehalt des Pollens unterbewusst bewerten zu können. Eine solche Bewertung könnte entweder das gesamte Nährstoffprofil oder nur einzelne Nährstoffe einbeziehen. Im letzteren Fall könnten Korrelationen zwischen den einzelnen Nährstoffen die Bewertung vereinfachen.

Wir haben verschiedene Verhaltensversuche angewandt, um zu testen welche Nährstoffe Bienen im Pollen prinzipiell wahrnehmen können und welche sie tatsächlich beim Sammeln verwenden, um den Nährstoffeintrag in die Kolonie zu optimieren. In Lernversuchen mit dem Rüsselstreckreflex (PER) konnten wir untersuchen welche Nährstoffe Bienen im Pollen prinzipiell wahrnehmen. Hummeln der Art Dunkle Erdhummel (Bombus terrestris) konnten zwar Aminosäuren in Wasser gelöst wahrnehmen, jedoch nicht im Pollen, einem viel komplexeren Gemisch aus vielen verschiedenen Substanzen. Honigbienen (Apis mellifera) waren dazu jedoch in der Lage. Zusätzlich konnten beide Arten Fettsäuren im Pollen wahrnehmen. In Fütterungsversuchen konnten wir zudem zusätzlich sehen, dass Hummeln vor allem Fettsäuren zur Bewertung des Pollens zu verwenden scheinen. Außerdem ergaben chemische Analysen von Pollen, dass der Proteingehalt in Pflanzen, die für ihre Bestäubung auf tierische Bestäuber angewiesen sind höher ist als in anderen Pflanzen. Zudem hatten diese Pflanzen mehr Korrelationen zwischen Nährstoffen als die anderen Pflanzen, was Bestäubern dabei helfen könnte die Nährstoffqualität des Pollens abschätzen zu können.

Zunahme an Neuimkern und Bienenvölkern

Prof. Dr. Werner von der Ohe
Die Zunahme an Neuimkern und Bienenvölkern ist überaus erfreulich. Gleichwohl gibt es hierdurch auch verstärkte Risiken bzgl. der Bienengesundheit. Neuimker, die nicht hinreichende Kenntnisse über gute imkerliche Praxis haben, werden Fehler machen, die dann wiederum zu Erkrankungen ihrer Bienenvölker führen. Kranke Bienenvölker sind wiederum Gefahrenquellen für gesunde Bienenvölker in deren Umkreis. Diese Gefahr ergibt sich insbesondere auch dann, wenn der neue Bienenhalter nach einiger Zeit feststellt, dass es doch nicht das Richtige für ihn ist und er die Völker sich selbst überlässt. Dies kann allerdings auch bei älteren Imkern der Fall sein, die nicht mehr in der Lage sind, ihre Bienenvölker richtig zu betreuen.

Hinzu kommen Menschen, die keine Bienenvölker halten, aber animiert durch Berichte über das „Bienensterben“ den Bienen durch die Fütterung von Honig und Pollen etwas Gutes tun wollen. Bei diesen Honigen und Pollen wird es sich in der Regel um Importware handeln, die mit dem Erreger der Amerikanischen Faulbrut kontaminiert ist. Da aufgrund von Informationen zu befürchten ist, dass derartiges Füttern tatsächlich durchgeführt wird, hat das niedersächsische Landwirtschaftsministerium über die Pressestelle im Sommer 2019 auf diese Gefahren hingewiesen.
Weiterhin ist bekannt, dass die Bienen basierend auf den ihnen eigenen Abwehrmechanismen in der Lage sind, Infektionen mit Krankheitserregern frühzeitig zu erkennen und gegenzusteuern. Wenn diese Kompensationskräfte des Bienenvolkes überstrapaziert werden, gerät das Bienenvolk aus einem gesunden oder inzwischen subklinischen Status in den klinischen Status. Erst jetzt kann der Mensch die Krankheitssymptome erkennen. Je besser ausgebildet, umso eher. Damit ist aber wichtige Zeit verloren gegangen. Daher sind Frühdiagnosesysteme so wichtig, um bereits die Infektion bzw. den subklinischen Status erkennen zu können. Dies gilt u.a. für die Befallsdiagnose von Varroamilben und vor allem für die Untersuchung von Futterkranzproben auf Sporen von Paenibacillus larvae, dem Erreger der Amerikanischen Faulbrut.
Bzgl. der Frühdiagnose der Amerikanischen Faulbrut hat Niedersachsen sowohl in den Monitoringprojekten als auch in der Bekämpfungsstrategie seit vielen Jahren einen Leuchtturmcharakter. Das Messpunktverfahren ermöglicht es nach einer vorherigen intensiven Arealuntersuchung, in der Folgezeit mit deutlich verringerter Probenanzahl, sich ein Bild über die Verbreitung der P.-larvae-Sporen zu machen und ein Wiederauftreten frühzeitig zu erkennen. Die regelmäßige Untersuchung verhindert „Flächenbrände“. Wenn Fälle auftreten in gut untersuchten Gebieten, so sind dies nur noch auf eine oder wenige Imkereien begrenzte Seuchenherde.
Die Bekämpfung der Amerikanischen Faulbrut in Niedersachsen ist geprägt von der zielorientierten Kooperation von Amtstierärzten und ehrenamtlich tätigen Imkern (Bienenseuchensachverständige, Gesundheitsobleute) in den Landkreisen sowie dem LAVES Institut für Bienenkunde Celle inkl. dessen Bienenzuchtberatungsdienstes (BZB).
Das LAVES Institut für Bienenkunde Celle versteht sich als kompetenter Partner bei allen Fragen der Vorbeugung, Diagnose und Bekämpfung der Amerikanischen Faulbrut inkl. der Sanierung von Bienenvölkern mit klinischen und subklinischen Symptomen. Darüber hinaus werden regelmäßig Bienengesundheitsobleute in Theorie und Praxis ausgebildet und Workshops für Amtstierärzte zwecks Harmonisierung der Bekämpfungsstrategien durchgeführt.

Pflanzenschutz – Naturschutz - Insektenschutz

Heinrich Romundt
Durch die Verschärfung der Zulassungskriterien von Pflanzenschutzmitteln fallen immer mehr Wirkstoffe weg oder Anwendungsbeschränkungen begrenzen die Einsatzmöglichkeiten. Eine besondere Betroffenheit zeigt sich bei den insektiziden Saatgutbeizen. In Mais, Raps und Rübe wurde die Anwendung neonicotinoidhaltiger Beizen in den letzten Jahren verboten. Bienen sollten keine Möglichkeit haben Beizstäube zu sammeln. Die alternative Anwendung pyrethroidhaltiger Flächenspritzungen unterliegt einem hohen Resistenzrisiko. Probleme der Bekämpfung treten bei Rapsschädlinge und Blattläusen auf. Bei der Anwendung von Insektiziden ist die Bienenschutzverordnung strikt einzuhalten. Es ist keine Anwendung bienengefährlicher Präparate in blühende Bestände, oder wenn sie von Bienen beflogen werden, erlaubt. Der Anteil möglicher Bienenvergiftungen durch Pflanzenschutzmittel ist sehr gering (Julius-Kühn-Institut). Grundlage ist eine konsequente Schulung der Landwirte. Alle beruflichen Anwender von Pflanzenschutzmitteln benötigen einen Sachkundenachweis und müssen regelmäßig an Fortbildungsmaßnahmen teilnehmen. Eine fehlende Sachkunde ist bußgeldbewehrt.
Im Rahmen der neuen Ackerbaustrategie werden zusätzliche umwelt- und naturverträgliche Maßnahmen angestrebt. Unter Berücksichtigung des Schadschwellenkonzeptes soll der chemische Pflanzenschutz reduziert werden. Die künftig noch weiter begrenzte Anwendungsmöglichkeit von Insektiziden in Raps erschwert die Bekämpfung der Rapsschädlinge. Nach Untersuchungen der Universität Göttingen können natürliche Nutzlinge in die Population der Rapsschädlinge eingreifen. Es erfolgt eine Parasitierung der überwinternden Puppen. Parasitierungsraten von bis zu 80 Prozent sind möglich. Da die Aktivitätsphase der Nützlinge vorrangig während der Rapsblüte stattfindet, sind Insektizidbehandlungen problematisch. Durch die Dropleg-Technik – Düsen werden im Bestand geführt – können die Nützlinge geschont werden.
Das Thema „Insektensterben“ ist ein multifaktorielles Geschehen. Ursachen für den Artenrückgang in der Agrarlandschaft sind vielfältig. Bekannte Faktoren sind z.B. die Ausdehnung der Flächenstrukturen, einseitige Fruchtfolgen, Rückgang der Saumstrukturen und die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln. Der Flächenverbrauch für Siedlungs- und Verkehrsflächen ist nicht zu vernachlässigen. Eine besondere Betroffenheit ist bei den Wildbienen – Solitärbienen und Hummeln –  zu finden. Die Völkerzahl der Honigbiene steigt in den letzten Jahren stetig an.
Die Biodiversität – die biologische Vielfalt in der Natur – wird künftig einen größeren Stellenwert bei der Zulassung von Pflanzenschutzmitteln haben.
Neue pflanzenbauliche Ansätze sollen aufgezeigt werden. Der Mais hat regional einen hohen Anteil in der Fruchtfolge. Er liefert Pollen aber kein Nektar. Durch den Mischanbau mit Leguminosen kann eine zusätzliches Blühfenster für Insekten geschaffen werden. Vorrangig kommen Acker- und Stangenbohnen zur Aussaat. Die Kombination von Arten und Sorten ermöglichen ein zusätzlich langes Blühfenster von Juni bis September. Neben den ökologischen Vorteilen, profitiert der Landwirt zusätzlich von einer verbesserten Qualität seines Erntegutes. Im Elbe-Weser-Dreieck wurden in 2019 bereits mehr als 1000 Hektar Mais / Bohnen – Mischungen angebaut. Die Nachfrage ist für das nächste Jahr steigend.
Die unterschiedlich biologischen Ansprüche zwischen Honig- und Wildbiene stellen besondere Anforderungen an die Biotopausstattung. Die Honigbiene kann ein breites Pflanzenspektrum nutzen und große Entfernungen überwinden. Dagegen sind Wildbienen häufig auf spezielle Pflanzen angewiesen und können meist nur geringe Entfernungen überbrücken. Die enge Beziehung zwischen Bienenart und Pflanze verlangt ein breit gefächertes Artenspektrum mit langer und durchgehender Blühdauer. Bedingt durch den begrenzten Aktionsradius der Wildbienen müssen Nahrungsquellen, Nistplatz und Baumaterial im Nahbereich liegen. Da etwa 75 Prozent der Wildbienen unter der Erde nisten, hat die Bodenruhe einen hohen Stellenwert. Eine regelmäßige Bodenbearbeitung verhindert die Anlage von Nistplätzen auf landwirtschaftlich genutzten Flächen. Als Alternative bieten sich Straßen- und Wegränder an. Sie überziehen das Land als Raine und Bankette und bieten in der oftmals eintönigen Landschaft die Möglichkeit zusätzliche Biotope zu schaffen und diese zu vernetzen. Hier setzt die Aussaat von Wildkräutern an. An wenig befahrenen Straßen wurde der Aufwuchs an den Wegrändern gemäht und das Erntegut abgefahren. Durch das geringere Nährstoffangebot sollte die Entwicklung der Wildkräuter gefördert werden. Der Erfolg war nur mäßig. Auf den meist nährstoffreichen Ackerstandorten war die Aussaat der konkurrenzschwachen Wildkräuter häufig nicht erfolgreich. Vor allem der Weiße Gänsefuß überwucherte alle anderen Pflanzen.
Für eine optimale Entwicklung sind nährstoffarme Standorte Voraussetzung. Durch das partielle Abplacken der Grasnarbe an den Wegrändern wurden künstliche nährstoffarme Parzellen geschaffen. Anschließend erfolgte im April die Aussaat einer einjährigen Wildkräutermischung, die sich aus mehr als 30 Arten zusammensetzte. Trotz der letzten extremen Trockenjahre entwickelten sich die Pflanzen sehr gut und konnten ein Blühfenster von Ende Mai bis Anfang Dezember realisieren. Zukünftig ist es geplant, jeweils einjährige und mehrjährige Mischungen auszubringen. Es sollen nur heimische und regional zertifizierte Mischungen zur Aussaat kommen. Neben den Nahrungsquellen sollen Nistplätze und Nistbaumaterial angeboten werden. So wird der abgeplackte Boden zu Erdwällen aufgehäuft und verdichtet – gute Voraussetzungen für die Anlage von Nistplätzen im Boden grabender Bienenarten. Haufen aus Stein bzw. morschem Totholz sollen weiteren Bienenarten Nestbauten ermöglichen. Es wird eine möglichst große Vielfalt von Nistmöglichkeiten und der dazu benötigten Baumaterialen bereitgestellt. Auch blühende Sträucher und Bäume der Wegränder, sowie Kulturen bzw. Zwischenfrüchte der landwirtschaftlichen Nutzflächen können zusätzlich mit integriert werden.
Diese Ansätze können auf landwirtschaftliche Hofstellen und auch auf Hausgärten im Dorf ausgeweitet werden.

Kenne deinen Feind – Varroa im Griff

Claudia Garrido
Die Varroa-Milbe kommt ursprünglich aus Asien und lebte auf der Östlichen Honigbiene Apis cerana. Da unsere Bienen, A. mellifera, inzwischen weltweit für die Imkerei genutzt werden, konnte der Parasit den Wirt wechseln und nach Europa gelangen. Bei der A. cerana verursacht die Varroa-Milbe keine Schäden wie bei uns. Das liegt hauptsächlich daran, dass die Milbe nur in der Drohnenbrut Eier legt. Bei uns dagegen vermehrt sich die Milbe auch in der Arbeiterinnenbrut und schädigt so die Bienenvölker deutlich mehr.
Der Lebenszyklus der Varroa-Milbe teilt sich in zwei Phasen: einmal die „phoretische Phase“ auf den erwachsenen Bienen. In dieser Zeit frisst die Varroa-Milbe am Fettkörper der Bienen. Sie bevorzugt Ammenbienen, weil diese sie zu den Brutzellen transportiert, wo sie sich vermehrt. In dieser „Vermehrungsphase“ legt sie mehrere Eier. Das erste ist unbefruchtet und entwickelt sich zu einem Männchen. Die weiteren sind befruchtet: aus ihnen schlüpfen weibliche Milben. Das Männchen begattet seine Schwestern. Nur die Muttermilbe und die begatteten Töchter verlassen die Brutzelle mit der schlüpfenden Biene.
Der Varroa-Befall verdoppelt sich ohne Behandlung etwa jeden Monat. Aus einem recht geringen Anfangsbefall kann so ein hoher Befall am Ende der Saison werden (s. Tabelle). Ohne Behandlung können im Spätsommer manchmal mehr Varroa-Milben als Bienen im Volk sein. Damit die Völker gesunde Winterbienen aufziehen können, ist die rechtzeitige Sommerbehandlung extrem wichtig. Die muss immer ohne Honigraum durchgeführt werden.

Auch nach der Sommerbehandlung brüten die Völker weiter, die verbleibenden Varroa-Milben vermehren sich also. Damit die Bienen in der kommenden Saison mit einer möglichst geringen Milbenlast starten, ist die Winterbehandlung wichtig. Umso weniger Varroa-Milben mit dem Volk überwintern, umso flacher verläuft die Befallsentwicklung während der Saison. Drohnenbrut ist auch bei unseren Bienen attraktiver als Arbeiterinnenbrut. Sie auszuschneiden, hilft die Sommerbehandlung nach hinten zu verschieben.
Für die Behandlung stehen diverse Produkte zur Verfügung. Wichtig ist vor allem, nur registrierte Produkte zu verwenden und auf die Empfehlungen der Bieneninstitute zu hören. Ohne Behandlung verteilen sich die Milben auch auf die gut behandelten Völker der Nachbarn und schädigt diese. Varroa-Milben übertragen außerdem das Verkrüppelte-Flügel-Virus (DWV), das auch andere Insekten infizieren kann. Durch die Varroa-Behandlung tut der Imker also nicht nur seinen Bienen etwas Gutes, sondern schützt auch die Artenvielfalt.

Wann und warum behandeln?

Zugelassene Wirkstoffe und Behandlungsmittel in Deutschland